Jurybericht der Kunstkreditkommission Basel-Stadt, Performance-Wettbewerb 2009


Mit „Besame mucho!“ zeigt Barbara Naegelin ein weiteres Kapitel ihrer Suche nach Momenten des Glücks. Fallen diese uns einfach zu? Oder generieren wir sie im Gehirn? Oder bedarf es bloss der Bereitschaft, den bestehenden Augenblick als Kairos, als günstigen Zeitpunkt einer Entscheidung, zu erkennen? Vermögen wir ihn zu ergreifen, noch bevor der Alltag unser Sehnen banalisiert? Ist es legitim, sich von fremdem Glück zu nähren? Die Künstlerin agiert mit einer Ukulele vor dem Hintergrund einer Projektion. Die Videobilder vermischen dokumentarische Aufnahmen einer Reise durch Mexiko mit inszenierten Momenten und computeranimierten Bildern. Die Timeline ist gesetzt. Der Sound kommt aus kleinen Lautsprechern und wird von der Musikperformerin live ergänzt. So nimmt uns Naegelin auf ihre Forschungsreise mit. Computertomografien entschlüsseln das Denken und lassen – in visueller Beschleunigung seiner Aktivität – das Gehirn selbst zu uns sprechen. Naegelin lehnt sich mitten in einen Sonnenuntergang und singt; das Meer spült Wellen an den Strand und trägt uns fort in seine Weite. Dann wiegt sie sich im Tanzschritt einer mexikanischen Frau, die beharrlich und leichtfüssig ihren stolzen Mann umkreist. Oder sie entzündet eine Wunderkerze und versucht, den sprühenden Moment zu küssen.
Die Performerin bleibt irritierend neutral in ihrem Vortrag. Wie hingeworfen wirken die Worte, die Bilder, die Lieder, die uns dank ihrem gekonnten Charme schon längst umgarnt halten. Die Jury schätzt diese ausgefeilte Bühnenshow mitsamt der Sprödheit der Präsentation, aus deren Fugen der Humor wie Blasen blubbert.